“Eine hervorragende Möglichkeit, mich neuen Aufgaben zu stellen.” Der neue Dekan Prof. Eisenecker im Interview mit le.ave

Prof. Dr.. Ulrich Eiseneckerle.ave: Herr Prof. Eisenecker, wir gratulieren Ihnen zur Wahl als neuer Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig und wünschen Ihnen viel Kraft und Freude in Ihrem neuen Amt. Wir freuen uns, dass Sie gleich am ersten Tag als Dekan Zeit gefunden habe, uns dieses Interview zu gewähren.
Herr Prof. Eisenecker, was hat Sie bewogen, Dekan zu werden?

Prof. Eisenecker: Hier gibt es mehrere unterschiedliche Beweggründe. Zwei davon will ich kurz ansprechen, wobei diese in etwa gleich wichtig sind:

  1. Persönliche Entwicklung: In meinem Berufsleben war ich nebenberuflich selbstständig, ich arbeitete als Programmierer, als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Unternehmen und hatte zuvor zwei Professuren an Fachhochschulen inne. Nach mehr als acht Jahren an der Universität Leipzig sehe ich hier für mich eine hervorragende Möglichkeit, noch einmal einen Entwicklungsschritt zu tun und mich neuen Aufgaben zu stellen.
  2. In meiner Zeit als Professor habe ich viele Erfahrungen gemacht, darunter sehr schöne, aber auch einige negative. In meiner Zeit als Dekan will ich versuchen, solche Problemstellen anzugehen und zu verbessern – zum Wohl aller Fakultätsangehörigen, aber auch zu meinem Nutzen, wenn ich kein primus inter pares mehr bin.

le.ave: Welche Akzente wollen Sie setzen?

Prof. Eisenecker: Ich sehe vier Schwerpunkte, die mir am Herzen liegen:

  1. Fortführung der Vernetzungsstrategie, die auch mein Amtsvorgänger [Anm. le.ave: Prof. Ringel] betrieben hat. Dabei will ich verstärkt auch die Möglichkeit des Lehrimports aus anderen Fakultäten nutzen, um das Lehrangebot der WiFa in ihren Studiengängen noch attraktiver zu machen.
  2. Erste Gespräche mit den Gruppen der WiFa haben gezeigt, dass eine Intensivierung der Methodenausbildung ein gemeinsames Interesse darstellen könnte. Sofern sich dies bestätigt, könnte es zusammen mit anderen Fakultäten gestaltete gemeinsame neue Bachelor- und Master-Module geben. Dazu könnte auch ein neuer Lehrimport genutzt werden. Zu beachten ist, dass auf der Grundlage solchermaßen modifizierter Studieninhalte in Forschungsprojekten bestimmte Themen auf breiterer und sichererer methodischer Fundierung angegangen werden können, ich denke an statistische Datenanalysen, Umfragen und Experimente.
  3. Zwei Aktivitäten, welche auch die WiFa betreffen, verdienen besondere Beachtung: Die Einführung von AlmaWeb und  die Schaffung eines Qualitätsmanagements. AlmaWeb kann und muss die Prozesse auch an der WiFa verändern. Über die reine IT-Unterstützung bisheriger Abläufe und Dienste der WiFa hinaus, muss AlmaWeb auch neue Abläufe und Angebote ermöglichen, wobei nach der Einführungs- und Anpassungsphase auch Entlastung geschaffen werden muss, welche den Nutzern von AlmaWeb insgesamt zugute kommt. Das Qualitätsmanagement muss neben nachlaufenden Evaluationen auch begleitende Maßnahmen vorsehen und zum Einsatz bringen, welche helfen, die Wahrscheinlichkeit von Fehlentwicklungen im Vorhinein zu reduzieren. Ein von allen verstandenes, gelebtes und bewährtes Qualitätsmanagement ist ein wichtiger Schritt im Kontext einer Reakkreditierung.
  4. Nicht zuletzt auch im Sinne eines Qualitätsmanagements und des Angebots neuer Prüfungsformen, würde ich auch gerne einen Beitrag zur weiteren Eruierung der Möglichkeiten von E-Assessment leisten und mithelfen, es dort, wo es geeignet ist, in für Studierende wie Lehrende vorteilhafter Form zu implementieren. Dies ist aber eine Zielsetzung, die über die WIFa hinausgeht und nur bei Interesse und Beteiligung aus anderen Fakultäten und mit wirksamer Unterstützung des Rektorats angestrebt werden kann.

le.ave: Welche Bedeutung hat für Sie die Alumni-Arbeit?

Prof. Eisenecker: Alumni-Arbeit im professionellen Sinn muss Bestandteil der Strategie einer Hochschule sein. Sie muss zentral organisiert und personell untersetzt sein sowie klare Zielsetzungen verfolgen. Eine Fakultät alleine wie etwa die WiFa kann Alumni-Arbeit in diesem Umfang nicht leisten.

Was die WiFa als Fakultät aber sehr wohl leisten kann, ist einen Rahmen für die gute Pflege von Alumni-Kontakten zu schaffen. Die Frage ist, welchen Zielen das dienen kann und soll. Im Allgemeinen wird die Alumni-Kontaktpflege als notwendige Aktivität zur Spendenakquise und damit zur Verbesserung der finanziellen Situation der akquirierenden oder sogar einer ihr übergeordneten Stelle gesehen. Vor einem solchen Hintergrund stellt sich dann natürlich auch die Frage nach der Kompensation, die der Spendende oder Sponsor  erwartet. Meines Erachtens kann das nicht der Hauptzweck der Kontaktpflege mit den Alumni sein.

le.ave: Was bedeutet Alumni-Arbeit für Sie und was wünschen Sie sich von le.ave?

Prof. Eisenecker: Institutionalisierung und Formalisierung der Kontaktpflege zwischen le.ave und WiFa, bis hin zu einem sinnvollen Ausmaß, aber nicht darüber hinaus. Beispielsweise ist die Publikation und Pflege einer Web-Site mit prominenten Alumni auf zentraler Universitätsebene anzusiedeln.

Mein Eindruck ist, dass die Kontaktpflege zwischen Alumni und Fakultät sehr stark auf die Gruppe der Dozenten und Dozentinnen fokussiert wird. Hier gibt es zahlreiche Kontakte zwischen Ehemaligen und ihren Professoren/innen, die aber nicht im Rahmen einer Alumni-Organisation stattfinden und hier auch sicher nicht hingehören.

Zu eruieren wäre, inwieweit le.ave beispielsweise die geeignete Organisation und Plattform ist, den Kontakt zwischen den Alumni zu halten und womöglich auszubauen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich durchaus gern einmal wieder Kontakt zu früheren Kommilitonen hätte, gern auch über eine Alumni-Vereinigung. Aber eine solche Anlaufstelle gibt es für mich nicht.

Für sehr wünschenswert würde ich es halten, wenn die Alumni frühzeitig den Kontakt zu den Studienanfängern finden würden und diesen Kontakt dann während des Studiums halten und vertiefen könnten. Denkbar wären hier vielleicht Alumni-Partner, die den Studierenden dabei helfen könnten, ihre persönlichen Studienziele zu definieren und ihr Studium zu organisieren, also in gewisser Hinsicht eine Mentoren-Funktion ausüben. Zudem könnten auch in allgemeiner Form Lebens- und Berufserfahrungen von den Alumni zu den Studierenden fließen, beispielsweise über Möglichkeiten des Berufseinstiegs, interessante Tätigkeitsmöglichkeiten, die den Studierenden nicht bekannt sind und so weiter. Um dies auszuloten und auszugestalten, wäre sicher eine intensivierte Kooperation zwischen Alumni-Organisation und Fachschaftsrat hilfreich. Beispielsweise freut es mich in dieser Hinsicht sehr, wenn ich beim Absolventenball auch auf Alumni der WiFa treffe.

Das Finden der Ziele und die Ausgestaltung ist weder eine einmalige Aktivität noch eine einseitige Angelegenheit. Welche Vorstellungen hat denn in dieser Hinsicht le.ave?

le.ave: Unser Ziel ist es, Universität und Praxis zu verbinden. Alumni sollen Ihre Erfahrungen mit den Studierenden teilen und im Gegenzug von aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft profitieren. Im ersten Schritt wollen wir das erreichen, indem wir Alumni als Referenten für Seminare und Vorträge gewinnen. So konnten wir mit dem Vortrag von Alumnus Dr. Bessau zum dies academicus 2011 die Vortragsreihe zum Thema Nachhaltigkeit abrunden.

Für passgenaue Angebote benötigen wir eine stärkeren Informationsfluss über Schwerpunkte von Lehre und Forschung der Fakultät. Hier sind unsere Kontakte vor Ort auszubauen. Nur wenige unserer Mitglieder sind Studierende, Professoren oder Mitarbeiter der Fakultät. Umso wichtiger ist für uns, dass der Gesprächsfaden mit dem Dekanat nicht abreißt. Als wichtigen Anlaufpunkt sehen wir auch die Fachschaft; diesen Kontakt wollen wir ausbauen.

Neben inhaltlicher Unterstützung ist auch eine finanzielle Förderung möglich. So unterstützen wir die Orientierungsphase und den Absolventenball. Hier sorgen wir als verlässlicher Partner für Planungssicherheit.

Die Gewinnung neuer Mitglieder hilft uns, sowohl die Bandbreite fachlicher Angebote als auch die Höhe finanzieller Unterstützung zu erweitern. Wir sind daher dankbar, wenn von Ihrer Seite auf unsere Arbeit und den Verein hingewiesen wird.

Das Interview führten Herr Zieger und Herr Hammer am 01.10.2012.